Aller Anfang ist Schweiß

Aller Anfang ist Schweiß

23. April 2018 Aus Von Patrick Weckerlein

Wir schreiben das Jahr 2016, genauer gesagt August 2016. Ich steckte wie wahrscheinlich häufiger in den letzten Jahren in einer Krise, vielleicht damals schon in einer geistigen Krise.

Ich möchte jetzt nicht meine ganze Jugend und junges Erwachsenenalter aufschreiben, jedoch eines möchte ich erwähnen: ich war immer auf der Suche. Schon als Jugendlicher habe ich mich für Außerirdische interessiert und sogar darauf gehofft, dass sie mich abholen. Später dann nach Geistern, die Faszination des „UNBEKANNTEN“ hatte mich richtig in seinem Bann.
Heute kann ich laut sagen, dass meine Suche beendet ist, denn ich habe gefunden was ich suchte. Gefunden habe ich all das was ich bisher vermisste, einen Ansprechpartner, einen Freund, jemand der immer bei mir ist und mich nie wieder verlässt. Seit Jesus in meinem Leben, in unserer Ehe ist und „wirkt“ hat sich vieles verändert.
Angefangen bei der Kommunikation zwischen uns, bis hin zum Blick auf Dinge die ich/ wir früher verurteilten. Ich sage nicht, das es keine Meinungsverschiedenheiten oder Streits mehr gibt, sondern wir gehen anders damit um und gehen viel schneller wieder aufeinander zu. Mit viel mehr Respekt voreinander. (Wenn Ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem Ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr einander vergeben habt. Epheser Kapitel 4 Verse 26 HFA)

Gepackter Rucksack

Zurück zur Krise: da schon seit längerer Zeit der Gedanke in meinem Kopf schwirrte mich auf den Jakobsweg zu machen, legte ich mir mal Wanderstiefel zu.
Warum der Jakobsweg? Schon vor Monaten fand ich ein Hörbuch von Hape Kerkeling „Ich bin dann mal weg“ Dieses Hörbuch hörte ich rauf und runter- zum Aufstehen und zum Einschlafen. So oft das ich zum Teil schon Passagen mitsprechen konnte. Da aber der bekannte Jakobsweg in Spanien gerade nicht in unser Budget passte, suchte ich nach einem Jakobsweg in der Nähe. Siehe da, es gab einen Jakobsweg quasi direkt vor Ort. Dieser führt von meiner Heimatstadt Balingen nach Konstanz an den Bodensee. Flotte 138 Kilometer, ja das habe ich mir mal vorgenommen. Die Vorbereitungen liefen ganz gut, Schuhe hatte ich ja schon, einen Rucksack auch, da wollte ich das Ganze noch mit einer Kopflampe krönen, falls ich mal bei Nacht laufen würde. So nachträglich muss ich darüber lachen, da ich froh war bei Tageslicht von A nach B gekommen zu sein und nachts keinen Schritt mehr tun musste.

Aufstieg zum Hörnle

Am 22. August ging es dann auch los und Angi fuhr mich noch bis zur Balinger Stadtkirche, denn dort war mein Startpunkt. Von dort an ging es Richtung Endingen nach Weilstetten- durch das Felsenmeer- den Aufstieg zum Hörnle über Tieringen nach Nusplingen. Schon bei Weilstetten, nach den ersten Kilometern wurde mir eines klar: das mit dem Jakobsweg ist keine normale Idee, denn auch wenn ein normaler Weg vorhanden wäre muss man Wege und Pfade gehen, die abseits vom Weg durchs Gestrüpp und durch den Wald führen. Schnell kam mir die Frage auf ob das im wahren Leben nicht auch häufig so ist. Es gibt einen guten und leichten Weg und einen zugewachsenen verwilderten Weg. Schon sehr häufig stand ich dort und musste mich entscheiden und habe mir wohl zu oft dem Weg des geringsten Widerstands ausgesucht. In diesem Fall, hier und heute, aber nicht. Gegen 17 Uhr kam ich in Nusplingen an nach waghalsigen 24,1 Kilometern, vollkommen durchnässt nach einem harten, vor allem aber extrem heißen Tag mit Werten um und über 30 Grad. Natürlich läuft es sich an den heißesten Tagen des Jahres am besten, zumal ich rund zehn Kilogramm Gepäck mit mir rumschleppte…
Die Nacht war OK und meine Pilgerherberge in Nusplingen bereitete mir ein tolles Frühstück inklusiv Vesper für unterwegs. Danke dafür.

Die heutige zweite Etappe führte mich von Nusplingen über´s Bärenthal zum Kloster Beuron. In der Pilgerherberge bekam ich noch den Tip, dass an manchen Stellen die Muschel -Hinweise (Zeichen für Pilgerweg) nicht korrekt hingen oder geklebt wurden. Ja und da hatte ich es dann auch schon geschafft: ich stand mitten auf einem, sagen wir mal Feldweg, der in einen Wald mündete. Da war mir klar das hier der Weg endete und nicht weiterführte, oder anders formuliert: ich hatte mich verlaufen! Verlaufen tut echt weh, wenn du zwanzig Kilometer am Tag machst. Links von mir war ein Feld und dahinter meinte ich eine Straße zu erkennen. Ich ging um das Feld und fand eine feste Straße unter meinen Füßen vor. Das Problem blieb, verlaufen. Kurz nachgedacht und entschieden nach links weiterzugehen, nach kurzer Wegstrecke sah ich eine kleine Kreuzung vor mir mit einer Bank, einem Baum der Schatten spendete und einem großen Kreuz, das dort aufgestellt war. Dort angekommen machte ich erst mal eine Pause. Aus der Ferne sah ich eine Fußgängerin mit Hund auf mich zukommen und dachte noch „ die fragste jetzt nach dem Weg“. Gesagt getan. Als sie näher kam hab ich sie gefragt ob sie wüsste wie es von hier aus weitergeht. Da schau an, sie war auch auf Pilgerschaft und hatte sich auch verlaufen. Doch sie war etwas schlauer als ich. Sie ging einmal komplett um diese Insel mit der Bank und fand einen Pilgerhinweis. Zu dritt, sie, Wickie (ihr Hund) und ich machten uns dann zusammen auf den Weg in das nächste Dorf. Wir gingen zusammen bis zur Kirche des nächsten Ortes, wo ich entschied eine weitere Pause einzulegen. Die Pilgerin war eine Tagespilgerin und wollte weitergehen. Jedoch nicht, ohne mir noch etwas zu geben: sie hatte es auf dem Herzen mir ein kleines Buch zu geben. Es war ein neues Testament. Ich bedankte mich und steckte es ein. Zu diesem Zeitpunkt kannte ich Jesus noch nicht. Ich kannte auch die Frau und den Hund nicht, doch das sollte sich knapp ein halbes Jahr später ändern und zu einer ganz tollen Freundschaft führen. Nach einem beschwerlichen Abstieg zum Kloster Beuron und rund 22 Kilometern an einem weiteren Sommertag kam ich kaum noch die letzten Stufen hoch.

Kloster Beuron

Schmerzen machten sich breit. Ich war froh im Hotel beim Kloster noch ein Pilgerzimmer zu bekommen. Pilgerzimmer sind oft sehr dürftig ausgestattet, dankbar ist man aber nicht für das Zimmer oder das Bett, -doch das Bett auch, – dankbar ist man in erster Linie für die Dusche.

Die dritte Etappe ging dann am nächsten Morgen vom Kloster Beuron über Buchheim, Thalheim, Altheim, Heudorf nach Meßkirch. Wieder stand die Sonne hoch am Himmel und Wasser wird zu einem Gut, das sehr teuer gehandelt werden dürfte. Den ganzen Tag war ich damit beschäftig zu schauen wie es um meine Wasserreserven steht. In Buchheim angekommen war es dann soweit und das Wasser war aufgebraucht. Es gab kein Geschäft, das offen hatte, nur eine sehr kleine ansehnliche Kirche. Es war wohl allen Menschen zu heiß, denn niemand war auf der Straße zu sehen. Nur von einem Balkon in der Nähe der Kirche hörte ich jemanden laut lachen. Zwei Frauen saßen dort unter Sonnenschirmen auf dem Balkon,- wohl zum Kaffee. Ich rief ganz frech den Balkon hoch „Hallooohoo“ und ein Kopf lugte unter dem Sonnenschirm hervor: „Ja, bitte?“. Ganz ausgetrocknet bat ich: „Ist es möglich ein wenig Leitungswasser für meine Flasche zu bekommen?“. Das war möglich, ich sollte ums Haus zur Tür gehen und sie öffnete und fragte mich ob ich Pilger sei. Ich bejahte und sie wollte mir gleich meine beiden Flaschen füllen. Ob ich zur Toilette müsste oder einen Kaffee wollte waren ebenfalls gestellte Fragen. Doch ich lehnte dankend ab und machte mich weiter auf den Weg. Nach 25,83 Kilometern kam ich, nachdem ich mich etliche male verlaufen hatte, in Meßkirch an.

In Meßkirch endete dann auch meine kleine Pilgerreise, denn ich hatte genug Gedanken gesammelt, Antworten für mich und diesen Moment gefunden und was ich damals noch nicht wusste: zwei neue Freundschaften geschlossen. Mit der Pilgerin und mit Jesus.

Link zur Wanderroute:

Pilgerweg Balingen – Konstanz