Die Macht der Worte

Die meisten meiner Kapitel schreiben sich von selbst. Ich setzte mich an den PC, öffne das Schreibprogramm, bestätige ein leeres und somit neues Dokument und lege einfach los.Heute merke ich richtig wie dieses Kapitel geschrieben werden sollte, doch mir jeder Satz regelrecht schwerfällt. Es liegt wohl am Thema selbst: es geht um Worte.

In den letzten Wochen oder fast schon Monaten versucht Gott mir da etwas zu verdeutlichen was ich bislang nie richtig verstand, oder einfach nicht verstehen wollte. In einen richtigen Konflikt geriet ich bei einem meiner Kapitel welches – welch ein Zufall- genau diesen Namen trägt. Ich äußerte eine Gefühlsregung und drückte mich dabei eben „Schwäbisch“ aus. Genau genommen sprach ich etwas über mir selbst aus das wirklich nichts Gutes beinhaltet. Ich meinte in dem Kapitel, welches ich zwischenzeitlich umgeschrieben habe, dass mich jemand „zu Tode aufrege“.  Als ich bezüglich dieser schwäbischen Äußerungen ein Gespräch führte wurde ich gefragt ob solche Äußerungen nie verletzend für mich selbst gewesen wären. Offen gesagt,- ich glaube nicht. Selbst heute würde ich diese Frage wohl verneinen. Im Süddeutschen Raum gibt es so viele Ausdrücke „Grasdackel“… „oh jetzt halt doch au(ch) bitte dei(ne) Gosch (Mund)“… „Scheißdreck“ …. Das alles habe ich immer als „normal“ empfunden. Der Schwabe ist für gewöhnlich ziemlich erregt, wenn er das sagt. Meint aber zumeist nicht mal ansatzweise was er da ausspricht. Es ist kein bewusstes Aussprechen einer Sache/Beleidigung als vielmehr eine Form des Dampfablassens.

An Weihnachten waren wir zu Besuch und an einer Stelle haben sich mehrere Frauen ganz schwäbisch aber eben doch extrem aggressiv unterhalten. Es schien, als würden sie alle nur aufeinander rumtrampeln (verbal). Gesteigert dann noch mit Beleidigungen wie „du Hexe“. Irrsinniger weise war jedoch keine Streitsituation gegeben. (Nicht das man im Streit direkt beleidigend werden sollen, im Gegenteil. Doch würde es dieses Verhalten eher erklären. Es war tatsächlich eine „normale Unterhaltung“. Das fand ich ziemlich schwierig.

Noch bis vor Kurzem sagte ich „wenn ich mal nicht mehr scheiße sag dann stimmt was nicht mehr“. Ich dachte immer allein das Fluchen und das Beschmutzen von Gottes Name wäre falsch. Somit war „scheiße“ total in Ordnung für mich. Ich war eben keine Person, die bei echtem Ärgernis einfach nur geduldig ein leises Seufzen von sich gab. Ich war da schon immer etwas emotionaler und energischer. Es war tatsächlich meine verstärkte Ausdrucksform des „blöd gelaufen“. Kaffee verschüttet und riesen Sauerei gemacht: „scheiße“. Trinkflasche stehen lassen: „scheiße“. Zug hat Verspätung: „sch…“.

Gestern Abend lag ich im Bett. Und plötzlich wurde es mir klar. Dieser Ausdruck steht für einen Kothaufen. Bei all den Malen als ich dies sagte hatte ich nur eigentlich nie an einen Kothaufen gedacht. Somit entwerte ich Dinge, Umstände, Verhaltensweisen, Lebensmittel und so weiter. Ich setze sie gleich mit einem Kothaufen.

Man darf wütend sein und seine Wut zum Ausdruck bringen, doch vielleicht sollte ich es anders tun. Eben ohne diese Entwertung. Letztlich hat sich dieses Thema wohl nun durch unsere aktuelle Studieraufgabe dann nochmals in den Vordergrund gestellt. Grundvoraussetzung für diese ist das Buch der Sprüche (Teil der Bibel). Zu wählen gab es dabei zwischen 3 Kategorien. Ich hatte mich für „Zunge, Mund, Reden“ entschieden. Das heißt: ich lese die Sprüche und baue meine Studieraufgabe auf der Zunge, dem Mund und dem Reden auf. Also: was sagte der weise Salomo zu genau diesem Bereich?

Und zunehmend merke ich, sicherlich auch dadurch das mich dieses Thema nun schon länger beschäftigt, dass es stimmt. Das hinter meinen Worten Macht steckt. Wenn ich im Gebet großartiges erleben darf, wieso sollten meine Worte an anderer Stelle an Macht verlieren? Nur weil ich es anders meine? Oder spreche ich da nicht eben doch genau diese Lügen und sogar Flüche über mir und anderen aus? Und wo fängt das an? Sehen wir das nicht oft schon beim Umgang mit den Allerkleinsten? „Leg das auf die Seite, das kannst du ohnehin nicht“ (Selbstwert) „Ich wünschte, ich würde mir ein Bein brechen dann könnte ich morgen nicht an der Klassenarbeit teilnehmen“ (Fluch) „Warum bist du denn IMMER so langsam?“ (…)

Vielleicht fällt es schwer- erst recht als Schwabe- meine Worte nachvollziehen zu können. „So sind wir halt das muss man ja nicht so ernst nehmen“ höre ich schon manche Personen reden. Aber muss man es dann erst nehmen, wenn man gelobt wird? Wenn mich ein Polizist verwarnt? Wenn mein Mann mir sagt, dass er mich liebt?

Worte haben Macht. Ich glaube es ist an der Zeit, dass ich an mir arbeite…