Loslassen

Loslassen. Ein Wort mit sehr vielen Bedeutungen, was kann man denn alles loslassen? Alles was man in der Hand oder in den Händen hat. Manches sollte wohl nicht losgelassen werden, wie zum Beispiel eine Tasse von der Kaffeemaschine auf dem Weg zum Tisch. Doof. Ein Glas Rotwein auf dem Weg zum Mund. Super doof. Jedoch können auch noch andere Dinge festgehalten werden, Dinge, an denen man hängt und die man sehr ungern loslässt, oder aufgibt oder abgibt.

Es gibt menschliche Beziehungen, die nicht leicht aufgegeben werden können, Freundschaften oder Partner. In meinem Fall war es aber etwas anderes, in meinem Fall war es das Geld, das ich loslassen sollte. Was habe ich getan, geklammert und geklammert. Da hätte ich besser schon vorher auf den Herrn gehört.

Euer Lebenswandel sei frei von Geldliebe! Begnügt euch mit dem, was vorhanden ist; denn er selbst hat gesagt: »Ich will dich nicht aufgeben und dich niemals verlassen!« Hebräer 13,5

Bei uns, bei mir, war es ein wenig anders. Da wir in unserer Bibelschulzeit auf geldliche Unterstützung von außen angewiesen sind, kommt in einem Monat etwas mehr zusammen und im anderen Monat weniger. In diesem Monat war es so wenig das wir schon vermuteten es würde nicht ausreichen. Desto näher der Monat kam desto angespannter war die Situation und auch die Spannung zwischen Angi und mir stieg an. Was sollen wir tun? Darum drehten sich häufiger unsere Gespräche. Wir hätten schon längst einen Spendenaufruf starten können. Es ist sehr üblich um Unterstützung zu bitten, wenn man auf eine Bibelschule geht. Aber wir hatten ein klares „Nein“ von Gott erhalten und an das hielten wir uns. Dann fand die Männerkonferenz bei uns im Glaubenszentrum statt. Freunde und Bekannte besuchten uns und überreichten ein kleines Geschenk, dabei war auch ein Geldbetrag und Angi sagte: „Wenn wir den nehmen, plus unser letztes Bargeld, das wir hier haben, dann kommen wir fast punktgenau mit den eingegangenen Spenden auf den fehlenden Betrag für die Schulgebühr.“ Genial, für den ersten Moment war das echt ein guter Plan.

Im zweiten Moment fiel mir direkt ein das wir uns dann verschiedene Dinge, die wir bis jetzt hatten, nicht mehr leisten könnten. Natürlich sind wir hier voll versorgt, Essen und Getränke. Doch wenn es mal etwas außerhalb sein sollte, wie ein Brotaufstrich oder ein Buch (auch Pflichtlektüren), Sprit oder einfach nur eine Zahnpasta DANN sind wir aufgeschmissen. Mit anderen Worten: der Mensch in mir rebellierte, ohhh und zwar sowas von. Da steht dann alles auf und schreit förmlich NEIN NEIN. Das führte direkt zu einem Streit, Angi war bereit das Geld zu geben und ich wollte nicht.

Das waren harte Tage, es waren schlimme Tage. Da hat man auf einmal keine Lust mehr auf Unterricht, stellt sogar direkt die Frage was man hier eigentlich macht. Macht das alles Sinn?
Wenn man so drinsteckt, hat man nicht mal mehr Lust zu beten, doch genau dann wäre es, -ist es!- so wichtig zu Gott zu gehen und zu fragen: „Wie siehst du das?“

Da sprach Petrus: Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt!
Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Es ist niemand, der Haus oder Eltern oder Brüder oder Frau oder Kinder verlassen hat um des Reiches Gottes willen,
der es nicht vielfältig wieder empfinge in dieser Zeit und in der zukünftigen Weltzeit das ewige Leben! Lukas 18,28-30

Der Tag der Überweisung rückte näher und in meinem Gebet fühlte ich im Gegensatz zu allem was mein Kopf mir sagte, dass es richtig und gut ist unser restliches Geld einzuzahlen und somit die Schulgebühr zu begleichen. Was oder wie soll ich das jetzt beschreiben? In dem Moment, in dem die Entscheidung gefallen war das Geld abzugeben und nicht länger daran festzuhalten und auf eigene Sicherheiten zu verzichten, da fühlte ich mich unglaublich leicht und frei. Geradezu b-e-f-r-e-i-t. Der ganze Druck der letzten Zeit war weg, obwohl sich ja nichts verändert hatte. Bis auf die Entscheidung das Geld herzugeben.

Jetzt kommt der Teil den Gott so gern tut, wenn man auf IHN vertraut.

Am nächsten morgen noch mitten im Unterricht (es war bereits Freitag; Montag musste die Bibelschulgebühr überwiesen sein) erhielten wir einen Anruf. Unser Spendenverwalter ließ mitteilen, dass an diesem Morgen genug Geld eingegangen sei, um zusammen mit den bereits eingegangenen Spenden die nächste Gebühr vollständig überweisen zu können. HALLELUJA!!!

Wir waren außer uns vor Freude und Dank!!! Und es kam noch besser…

Etwa eine Stunde später erhielt ich eine E-Mail aus der Buchhaltung. Ich dachte schon, oh oh jetzt wird gemeckert, ich bin richtig erschrocken. Schnell mal nachsehen was drin steht und ich konnte es kaum glauben was ich da las:

Ein anonymer Spender hat unsere Schulgebühren für den kompletten nächsten Monat überwiesen.

Gott ist so wunderbar! Einfach wunderbar!!! Er schleift und schleift, in meinem Fall mit sehr grobem Schleifpapier. Er möchte die totale Hingabe von uns in allen Bereichen. Daher trifft es uns in manchen Bereichen härter. In meinem Fall war es das Thema Geld beziehungsweise Finanzen. Er möchte diese Abhängigkeit von IHM damit wir frei werden. Danke Jesus.