Ostereinsatz USA 2019

Ihr Leser, es ist nun einiges an Zeit vergangen und ich konnte meine Gedanken ein wenig sortieren und sacken lassen.

Wenn uns jemand fragte vorab was wir in den USA tun würden antworteten wir, wir würden in einem Indianerreservat ein Kinderprogramm gestalten. Und ja, dies traf zu, aber deswegen war ich nicht da. Ich musste erstmal dort sein und meine Erlebnisse machen, um zu verstehen warum Gott mich in die USA geschickt hat. Und davon, von diesen Erlebnissen, davon möchte ich euch gerne berichten.

Zunächst, es war wirklich alles andere als einfach anzukommen. Da war eine echt lange und umständliche Anreise bei der nicht nur elf Menschen elf Meinungen sporadisch vertreten sondern auch Flüge die gecancelt wurden, eine spontane Übernachtung in Dallas (da wir nicht weiter kamen) und ein unglaublicher Temperaturunterschied von insgesamt rund 40 Grad.

Schneeräumung aufgrund des Blizzards

Ja, und gesundheitlich war ich auch recht schnell ziemlich matt. Eine hartnäckige Erkältung mit ziemlich heftigem Husten und unruhigen Nächten begleitete mich fast die ganze Missionsreise.

Aber nun gut… zurück zum Thema. Halt, gebt mir die Möglichkeit noch ein wenig unser Ankommen zum Ausdruck zu bringen: da war eine wirklich unglaublich lange Anreise. Ich schätze insgesamt waren wir etwa 2 Tage unterwegs. Und dann kamen wir endlich nach etwa zehn Stunden Autofahrt, die alles andere als ein Vergnüngen war, endlich in Eiseskälte und absoluter Übermüdung im Reservat an. Es war dunkel und wir waren alle ziemlich platt. Heidi, eine Mitarbeiterin gab uns eine kurze Einweisung und dann durfte ich endlich in den Schlafsaal. Dort warteten viele Doppelstockbetten auf uns. Weit mehr als nötig aber lieber zu viele Betten wie zu wenige. Ich hatte mein Bett erwählt… fühlte die Matratze… und…. es war ein haptisches (gefühltes) Erlebnis mit klaren Strukturen. Das Innenleben der Matratze kam fast sichtbar nach Außen wenn ihr mich versteht. Eines war klar: auf diesem Ding konnte man sicher vieles: barfuß darauf laufen und damit direkt eine Fußmassage erleben zum Beispiel- aber schlafen war darauf nicht möglich. Aber die Matratze war schnell gewechselt und somit auch der Schlaf gesichert. Naja, irgendwie zumindest. Die Haare auf meinem Kopf waren gefühlt schwerer als meine Bettdecke und die Außentemperaturen betrugen etwa – 11 Grad. Das Ergebins war eine fette Erkältung wie oben schon erwähnt. Tja, blöd, hätte ich mir wohl eine Decke mehr greifen sollen. Nun war es zu spät.

Der nächste Tag war dann auch  kein direktes „Herzlich Willkommen“. Eher ein: „Was wollen die Weißen hier?“. Kindermund tut Wahrheit kund. Sie hielten mit ihrer zumindest nicht lang hinter den Berg. Aber mal ernsthaft, das Ankommen und erste Treffen mit den Kids war nicht wirklich schön und die Ablehnung stand ihnen auf ihre kleinen Gesichter geschrieben. Doch wenn eines tatsächlich absolut erwähnenswert ist, dann ist es die enorme Veränderung! Fast schon täglich konnte man realisieren wie ihr Interesse wuchs und sie Freude hatten und die anfänglich Ablehnung echter Anlehnung wich.

Eines meiner absoluten Highlights war unsere Taufe. Ich war wirklich richtig nervös davor und angespannt. Doch dann war es so weit und das Wasser war wirklich wirklich unvorstellbar kalt. Meine Frau war anhand meines Gesichtsaudruckes nicht ganz sicher was da gerade passierte….

Kleine Anmerkung: meine Frau Angi hat nun schon mehrfach das Video zur Taufe gesehen. Sie war – so ganz nebenbei- auch direkt nebendran. Und schmeißt sich doch jedes mal weg wenn sie das sieht. Tja, da hatte der Bibelvers…

Wenn wir aber mit Christus gestorben sind (…)
(Römer 6,8)
 
…eine ganz neue Bedeutung. Ja, das Wasser war eisig.
 
Und ja, die Taufe war ein echt besonderes Erlebnis. Ich wollte ein ganz klares Zeichen- biblisches Zeichen- in dem vollen Bewusstsein für die sichtbare und unsichtbare Welt setzen und an diesem Tag war es dann endlich so weit. Dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Auch eine kleine Besonderheit: wir waren die ersten Weißen die in diesem Taufbecken getrauft wurden. Und eine weitere Besonderheit: schon vor dem Reiseantritt wurden wir unterwiesen in Kultur, Entwicklung aber auch Verhaltensweisen. So wurde uns gesagt dass es üblich sei, dass bei einer Unterhaltung zwischen uns Männern und anwesenden Frauen diese einem oft nicht in die Augen sehen.
Nach meiner Taufe stand ich nach Abschluss des Gottesdienstes in einer Stuhlreihe. Dann kam eine Lakota-Frau auf mich zu und streckte mir die Hand entgegen, doch an der Art habe ich bemerkt, das sie mich eigentlich umarmen wollte. Sie machte so einen kleinen Ruck mit der Hand als ob sie mehr auf mich zugehen möchte. Da bin ich einen kleinen Schritt auf sie zugegangen und sie hat mich in den Arm genommen. Bedenkt bitte, sowas gibt es eigentlich nicht. Als wir die Geschichte dem Pastor am letzten Abend erzählten hat er mal echt gestaunt. Und auch für mich war es ein besonderes Erlebnis.

Der Krankenhaus Einsatz war auch klasse. Von 2 Lakotas, Lewis und Dave, wurden wir mitgenommen ins Krankenhaus. Die beiden machen das jede Woche. Vor Ort wird dann mit dem Krankenhauspersonal abgesprochen in welche Zimmer man darf. Wir haben uns dann in zwei Gruppen geteilt und Angi, einer aus unserer Gruppe, Dave und ich bekamen drei Zimmer zugeteilt. Die andere Gruppe bekam ebenfalls drei Zimmer zugewiesen. In jedem Zimmer hat dann Dave jedesmal zuerst gefragt ob es OK sei wenn wir für sie beten und ob das auch gewollt ist.

Im ersten Zimmer lag eine ältere Dame und sie sagte uns kurz worum es bei ihr geht und wir konnten dann für sie beten. Dave hat angefangen, dann Angi und ich. Wir haben zum Teil auf Englisch und zum Teil auf Deutsch gebetet. Nach dem Gebet fragten wir sie, wie es ihr geht und sie sagte als Angi und ich für sie beteten hätte sie gesehen wie etwas rotes aus ihrem Bauch rausgekommen ist. Wie krass und wie gut.

Im zweiten Zimmer wurde das Gebet abgelehnt und im dritten Zimmer war eine Frau und ihre Mutter war gerade zu besuch. Sie war dort mitunter wegen Diabetes und das ist im Reservat ein leider gängiges Krankheitsbild, mitunter auch da der Alkoholmissbrauch im Reservat sehr hoch ist. Für sie und ihre Mutter durften wir beten und mein Gefühl sagte, dass sie dankbar waren das wir dort waren.

Eine ganz besondere Zeit hatte ich mit meinem neuen aber sehr lieb gewonnenen Freund Lewis, der ursprünglich auch im Krankenhaus dabei war. Wir hatten voll gute Gespräche und ich werde ihn weiterhin in meine Gebete mit einschließen.

Unsere ganze Zeit in USA mit den Kindern und den Einsätzen und auch unsere Ausflüge, waren sehr anstrengend. Wir hatten im Prinzip jeden Tag einen vollen Terminplan von morgens 7:30 Uhr bis abends 18:30 Uhr und manchmal bis 21:30 Uhr und schon war wieder Zeit ins Bett zu gehen. Und schneller als man dachte war schon wieder Morgen.

Die Zeit mit den Kids und deren Veränderung war echt krass, von der anfänglich totalen Ablehnung bis zu unserer Abfahrt als es noch Tränen gab.

Der ganze Einsatz war etwas ganz besonderes in meinem Leben und ich durfte sehen wie gut es uns doch geht in Deutschland. Ich habe gesehen was für Narben kleine Kinder schon haben können, ich habe gesehen was Alkohol, Drogen und Hoffnungslosigkeit aus Menschen macht. Ich habe aber auch erlebt, was die zu geben haben die nichts mehr haben.

Danke an alle die uns diesen Einsatz ermöglicht haben.