Zeugnis von Ina

Zerbrochenes Gefäß

Wir waren gerade mit dem Kochen fertig, die Lasagne stand schon auf dem Tisch, der Salat war angemacht, das Essen bereit. Jemand ging noch an den Schrank, um Schälchen für den Nachtisch rauszuholen. Doch plötzlich ein ohrenbetäubendes Knallen, Scheppern, Krachen – eine Reihe der Schälchen war beim Öffnen des Schrankes umgekippt und lautstark auf den Boden geknallt!! Toll! Natürlich waren es nicht die alten Schälchen, die man sowieso gern mal entsorgt hätte – nein! Es waren die Schönen mit dem besonderen, schwarz-weißen Muster!

Da lag es nun, Scherben über Scherben, zerbrochen am Boden, nicht mehr zum Gebrauch nutzbar. Worte des Ärgers, der Wut, unkontrollierte Worte entweichen meinem Mund. Und dann schaue ich hilflos auf die Scherben und werde irgendwie traurig darüber…

Und dann erkenne ich, dass im meinem Leben es auch immer wieder so Zeiten gibt, wo etwas zerbricht, die Scherben da liegen, ich traurig darüber werde. Das fühlt sich gar nicht toll an! Darüber reden wir gar nicht gerne. Lieber sind wir heil, selber stark, zeigen unsere Glanzseiten, präsentieren unsere starken Seiten! Doch Bruchstücke unseres Lebens verbergen wir erst mal – Zerbrochenheit in unserem Leben – das soll man nicht erkennen. Schließlich habe ich doch alles im Griff …im Großen und Ganzen… Doch wenn ich genauer hinschaue, hat mein Gefäß des Lebens so manche Risse bekommen in seiner Glasur, vielleicht sind da auch schon Teile weggefallen. Das Gefäß sieht dann doch nicht mehr so makellos aus, wie ich es präsentiere. Dann kommt mir der Vers aus Psalm 147,3 in den Sinn, wo es heißt:“ Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, er verbindet ihre Wunden“. Jesus kam in diese Welt, um den Menschen mit dem zerbrochenen Herzen zu begegnen, ihre Wunden zu verbinden und sie zu heilen.

Ich denke an Menschen wie die Sünderin, deren Herz zerbrochen wurde, weil jeder sie verurteilte. Jesus kommt zu ihr, sieht sie an und heilt ihr Herz im tiefsten Punkt. Da ist ein Petrus, der Jesus verleugnet und sein Herz zerbrochen wurde. Jesu Blick spricht ihm zu: „ Du hast mich verleugnet, hast gesagt, dass du mich nicht kennst, aber trotz all dem, liebe ich dich!“ Und mir wird klar, dass ich mit zu diesen Menschen gehöre, deren Herz zerbrochen, verletzt oder beschädigt wurde… Mein Gefäß des Lebens sieht nicht mehr makellos aus – ich erkenne die Risse, die Scherben, die weggefallen sind – mein Gefäß ist nach menschlicher Sicht nicht mehr zu gebrauchen. Und das fühlt sich gar nicht gut an. Wer mag schon Scherben in seinem Leben erkennen? Wer fühlt sich schon gerne so hilflos? Wieder und wieder erkenne ich diese Liebe von Jesus, der mich anschaut, dieser Blick, der mein Leben verändert hat, der mich anschaut und sagt: „Und ich liebe dich dennoch“. Da erkenne ich: „Ich bin diesem Blick verfallen – ich kann nicht mehr ohne IHN sein! Diese Liebe hat mich von Grund auf verändert! Ich will MEHR von IHM! Jesus!“ Er ist der, der mein Herz gewonnen hat! Er ist der, der hingebungsvollen, kompromisslosen Liebe! Dann liegen da meine Scherben – und er sagt: „Ich liebe dich dennoch!“ Wo ist solch eine Liebe zu finden? Es bleibt mir nichts anderes übrig als zu sagen: „Jesus, hier sind meine Scherben, hier bin ich! Nimm sie und tu damit, was dir gefällt!“

Vor einigen Tagen las ich von der japanischen Reperaturtechnik „Kintsugi“. Zerbrochene Keramik wird mit einem Lack, vermischt mit etwas Goldpulver, geklebt. Die Risse leuchten danach golden: Schalen, Teller…sie erstrahlen förmlich wieder in einem neuen Glanz. Erkennbar bleibt die Bruchstelle, und doch: ein Kunstwerk ist entstanden. Goldschätze, Wertvolles.

Ich frage mich, wie es wäre, wenn wir unsere eigenen Verletzungen, Lebensscherben, unsere Zerbrechlichkeit nicht verstecken, sondern zeigen würden. Sie mit Gold anpinseln würden, damit sie strahlen, weil sie doch zu uns gehören und uns wertvoll, einmalig machen. Unperfekt und doch vollkommen..
Welch eine Hoffnung keimt hier auf! Ich darf Jesus meine Lebensscherben hinlegen. Er sammelt sie auf, wirft sie nicht weg, sondern setzt sie neu zusammen, bepinselt sie mit Gold und macht aus unseren Bruchstücken unseres Lebens ein Kunstwerk, einen Goldschatz!

Jetzt hat sich etwas verändert! Wohl erkenne ich die Scherben in meinem Leben, sehe diese Zerbrochenheit,
Unvollkommenheit. Doch die Hoffnung strahlt in hellem Licht auf: Da ist einer, der meine Scherben zusammenfügt zu etwas Neuem, sie bepinselt mit seinem Goldlack und ein Kunstwerk daraus macht.
Wunderbar!
Doch eines liegt an mir! Ich muss ihm die Bruchstücke hinhalten, damit ER sie zusammenfügen kann!