Zeugnis von Lydia und Alessandro

Zeugnis von Lydia und Alessandro

12. Februar 2019 Aus Von Eure Zeugnisse

Wir sind Alessandro und Lydia und sind die direkten Nachbarn gegenüber der Suite* von Angi und Patrick im Glaubenszentrum. Wir sind hier, weil wir gesehen haben, dass unser Christsein und unser Glaube sich sehr um unsere eigenen Sicherheiten drehte.

Klar, Gott versorgt uns, indem er uns einen Job gibt, ein Auto, eine Wohnung- aber eigentlich arbeiten wir ja dafür und schaffen es selber- ohne Gott. Wir planen größere Wohnungen, schönere Autos, längere Urlaube. Wir haben Reiserücktritttsversicherungen, Haftpflichtversicherungen, Lebensversicherungen, Krankenversicherungen, Rechtsschutzversicherungen und noch mehr. Ende 2016 kamen wir an den Punkt, an dem wir merkten, dass unser tatsächliches Vertrauen und unser Glaube an Gott in Wirklichkeit ziemlich klein und mickrig war, das Vertrauen in uns selber deutlich größer. Und trotzdem war in uns dieser Wunsch, es zu erleben, wie Gott uns versorgt und uns nahe ist. In uns war schon länger der Wunsch, eine Bibelschule zu machen, aber bisher sagte Gott immer „wartet“.. bis es Anfang 2017 endlich ein „go“ war. Wie wir hierhergekommen sind, ist eine andere Geschichte.

Heute wollen wir erzählen, wie Gott redet.

In der Bibel lesen wir so oft von „Gemeinschaft“ und „den anderen lieben“, inzwischen verstehen wir, was genau das bedeutet. In einer Gemeinschaft von Christen, die wirklich ihr Leben mit Jesus gehen und ganz dabei sind, die offen sind dafür, dass Gott redet, in einer solchen Gemeinschaft begegnet und redet Gott. Wir haben das noch nie in der Art erlebt und waren so erstaunt zu sehen, in welcher Normalität und Natürlichkeit dies geschieht. Wir kamen auf die Bibelschule mit einer großen Wunde- es ist medizinisch gesehen kaum möglich, dass wir Kinder bekommen. Und in unserer Umgebung wimmelt es von Familien und Kindern, jedesmal, wenn wieder jemand gute Nachrichten hatte, gab es einen Stich in unser Herz und die Frage, warum Gott uns diesen Wunsch nicht erfüllt. Es tat weh, und wir fühlten uns verletzt und gleichzeitig schuldig, denn wir fühlten Wut, Eifersucht, Selbstmitleid. Uns war klar, dass dies ein Thema war, das wir mit Gott irgendwie ins Reine bringen mussten. Und Gott tat es. Sanft. Schritt für Schritt, liebevoll. Wir redeten oft darüber, wussten nicht, was wir tun sollten und wie, um endlich heil zu werden, aber unser Herz war offen. Gott redete anders, als wir das erwarteten. Innerhalb einer Woche redeten wir mit zwei verschiedenen Familien, die nichts von unserem Kampf wussten. Ohne dass wir auf das Thema kamen, erzählten uns diese Familien ihre Geschichten. Das eine Ehepaar hatte ein Versprechen von Gott bekommen, dass sie schwanger werden würden- und sie kämpften dafür, glaubten dafür, hielten immer fest an dem Versprechen (inzwischen sind sie Eltern geworden). Die andere Familie erzählte uns einen sehr traurigen Prozess des Loslassens ihres Kindes direkt nach der Geburt und wie sie damit fertig kamen und heute wirklich heil sein dürfen. Beide Gespräche trafen Alessandro und mich direkt ins Herz und wir wussten, dass dies keine „zufälligen“ Gespräche waren, sondern Gott zu uns redete. Es war so klar, denn wir waren beide so betroffen nach diesen Gesprächen, obwohl wir selber gar nichts von unserem Prozess erzählt hatten. Wir trafen daraufhin die Entscheidung als Ehepaar, dass Gott gut ist und dass er genau weiß, was am besten ist. Wir vertrauten ihm, wir entschieden das mit unserem Verstand. Wir glauben weiter, dass Gott Wunder tun kann, wollten aber auch glauben, dass er, auch sollte er uns keine Kinder geben, einen besseren Weg für uns hat. Wenige Tage später durfte ich, Lydia, ein Neugeborenes auf dem Arm halten, und während ich es anschaute hörte ich in meinem Herzen, wie Gott mir sagte, ich solle meinen Wunsch, Mutter zu sein, ihm abgeben. Es fühlte sich zu 100% an, als sei es mein Kind, zumal ich bei den vielen Stunden der Wehen und Geburt mit dabei war. Ich fühlte dieses Kind in meinem Arm und fing an zu weinen. All meine Bitterkeit, meine Wut, meine Enttäuschung gegenüber Gott kamen hervor und gleichzeitig diese tiefe Trauer, keine Mutter sein zu dürfen. Das Neugeborene war so weich und kuschelig, und ich heulte. Und nun traf ich die zweite Entscheidung, die erste war eine Entscheidung meines Willens, diese war eine Entscheidung des Herzens. Während ich dieses frische Baby hielt, gab ich es Gott, ich gab meinen Wunsch, Mutter zu sein, Gott ab. Ich heulte noch mehr, aber als ich mich beruhigte, war ein Friede da, eine Freude. Ich konnte dieses Kind anschauen, ohne an mich selbst zu denken, an uns. Von diesem Moment an spüren wir keinen Stich mehr im Herzen, sondern Freude für alle um uns herum, die Eltern werden dürfen. Anstelle von Wut und Trauer, Enttäuschung und Bitterkeit kam Friede und Glaube, tiefes Vetrauen darin, dass Gott es gut macht.

Wir sind so dankbar für diese Heilung! Es war kein spektakuläres Gebet eines besonders geistlichen Menschens, keine Donnerstimme, die vom Himmel kam, keine jahrelange seelsorgerliche Begleitung- nein, es waren einfach nur 2 Familien, in einem normalen Gespräch während unserem normalen Essen und Gottes Leitung im Gespräch, sodass diese Menschen genau das aussprachen, was wir hören mussten.

Wie krass ist diese Gemeinschaft von Menschen, die den Geist Gottes ins sich tragen, die liebevoll begleiten, sich begegnen, sich benutzen lassen, sodass Gott reden kann, natürlich, stinknormal und doch so tiefgehend. Inzwischen verstehe ich, warum Gott so oft darauf pocht, dass wir den Nächsten lieben wie uns selbst und dass wir darauf achten sollen, dass alles gut zwischen uns ist. Er will uns unverkrampft und natürlich begegnen, durch unser Gegenüber, das Jesus erkannt hat und mit ihm verbunden ist, sodass Gott selbst uns durch diese Menschen begegnet, umarmt, Fehler aufzeigt ohne Barrieren. Gott ist hier, bei uns, auf dieser Erde, er ist uns nahe. Aber oft warten wir auf den Donnerschlag, die Stimme vom Himmel, das wunderbringende Gebet. 

Wo begegnet Gott dir? Wo ist er dir schon begegnet und du hast es übersehen? Lass dich mal darauf ein und du wirst merken, wie oft Gott zu dir persönlich redet auf sehr natürliche und alltagstaugliche Art und Weise!

 

Vielen Dank für Euer Zeugnis

*Anmerkung: es handelt sich natürlich hier nur um einen umgangssprachlichen Gebrauch. Die „Suite“ ist bei jedem Ehepaar geschätzt rund 20 Quadratmeter groß